Zweifel

Da ich die Welt nicht mehr verstehe kann ich auch nichts mehr über sie schreiben.
Bleibt stattdessen alles um mich oder die Menschen im Nahen.
Ach, oder vielleicht einfach ich.

Ich fühle mich nicht anders als vor Wochen oder gar Monaten, ein hin und her zwischen Aufbruch und Abbruch, scheißegalem ignorieren und verzweifeltem (überflüssigem) Aktionismus.

Der Sommer lenkt mich ab, die Menschen scheinen auch langsam die Schreihälse der Politik nicht mehr ernst zu nehmen.
Jetzt mache ich die ersten Termine seit 9 Monaten auf meine Homepage und versuche die Zweifel am stattfinden zu ignorieren…

Ziellos

Eine fehlende Perspektive bzw. ein fehlendes Ziel ist das, was mich im Moment träge und verstimmt macht.
Ich weiß nicht worauf hin ich arbeiten soll, ich sehe keine rosige Zukunft wie noch Anfang 2020, ich sehe das Gegenteil.

Mir fehlt der Wille mich für mehr Reichweite dem System, das ich so hasse, anzubiedern, anders scheint es aber nicht möglich bzw. ich wüsste im Moment nicht wie. Es ist doch um einiges schwieriger als ich dachte die Gesellschaft von Innen ändern zu wollen oder um es etwas weniger Größenwahnsinnig auszudrücken, wenigstens einen klitzekleine Einfluss oder auf ein paar Wenige sogar eine richtungsändernde Wirkung zu haben.

Die Gefahr der symbiotischen Bequemlichkeit ist viel zu hoch und die dauernd geforderte Wachsamkeit viel zu anstrengend.
Beides nicht als Gefahr sondern als Herausforderung zu betrachten wäre allerdings endlich wieder motivierendes Ziel und langfristige Perspektive…

Massenunverträglichkeit

„Massenunverträglichkeit“
Leinwand ø 140cm – Lackstift, Tusche, Marker (800€)

Es scheint, je einfacher der Mensch Zugang zu Wissen hat desto unfähiger und fauler wird er diese Möglichkeit zu nutzen um sich eine eigene Meinung zu bilden.
Stattdessen warten auf vorgekautes und am besten bereits vorverdautes, seine geistige Nahrung selbst auszuwählen, zu kauen und zu schlucken unnötige Anstrengung….

Massenunverträglichkeit – Ø140cm – Text ©Frank Hummel

Opfer

„…alle Dinge, für welche wir Opfer gebracht haben, sind im Recht.
Letzteres erklärt zum Beispiel, weshalb ein Krieg, der wider Willen des Volkes begonnen wurde, mit Begeisterung fortgeführt wird, sobald erst Opfer gebracht sind.“
Friedrich Nietzsche
„Menschliches, Allzumenschliches“ „229-Maß der Dinge bei gebundenen Geistern.“

Und damit ist die derzeitige Situation auf den Punkt gebracht.
Der „gebundene Geist“ wird sich niemals eingestehen, dass die Opfer unnötig und überflüssig waren, das Begeisterte immer extremere Opfer bringen bis zum erlösenden Zusammenbruch bleibt der einzige gangbare Weg.

Aphorismus 8/52

„Aphorismus 8/52 oder Nietzsche vs. Schopenhauer“
Leinwand 160x160cm – Spray, Tusche, Lackstift, Marker, Transferdruck

Nietzsche ist mir neben Kafka der wichtigste geistige Ruhepol. Die Wucht und Kraft seiner Arbeiten sowie die nie zur Ruhe kommende grenzverschiebende Ausdehnung seiner denkerischen Freiheit geben mir den Mut weiter in geistiger Bewegung zu bleiben.
Außerdem war den Zeitzeugen nach, im Gegensatz zu seinen Texten, der persönliche Umgang ruhig, freundlich und respektvoll, eine nur scheinbare Ambivalenz, die ich sehr gut nachvollziehen kann…

Aphorismus 8/52 oder Nietzsche vs. Schopenhauer - Text ©Frank Hummel - Leinwand 160x160cm
Aphorismus 8/52 oder Nietzsche vs. Schopenhauer – Text ©Frank Hummel

Hackordnung

„Hackordnung“ – Holz 119x84cm – Spray, Tusche, Lackstift, Marker

Neulich kam bei einer Veranstaltung ein Besucher auf mich zu nachdem er sich meine Bilder eine Weile anschaute und meinte:
„Weißt Du was ich an Deinen Sachen so mag? Du bist so unfreundlich und Kunst muss in die Fresse!“

Was soll ich dazu noch sagen, gibt’s halt mal wieder was in die Fresse.
Ist nicht Absicht, ist Perönlichkeitsimmanent.

Hackordnung
„Hackordnung“ – 119x84cm – Text ©Frank Hummel