Ewige Wiederkehr

Nach etwas mehr als zehn Tagen Unterwegs sein wieder zu Hause.
Bis vor kurzem auch alles ganz OK.
Jetzt frage ich den über mich brechenden Alltag was er denn dauernd von mir will und ob er mich nicht endlich in Ruhe lassen könnte.
So.
Der Tag ist noch am werden, also noch nicht kaputt. Die Pflichten des rechtschaffenen Bürgers lauern an jeder Ecke auf mich und ich stelle mich taub.

schöpferischer Höhepunkt

Was denke ich beim Schreiben, was ging in meinem Kopf vor bei bestimmten Texten?
Fragen, die mir oft gestellt werden und auf die ein einfaches „Nichts!“ als Antwort von mir bleibt.

Frei nach Albert Camus geht notwendigerweise das bzw. mein Denken dem Schöpferischen voraus. Denken ist quasi mein Dauerzustand, ich denke und denke und dabei die meiste Zeit belangloses oder immer gleiches in unzähligen Variationen.

Aber dieses permanente Denken und mit mir selbst reden ist die notwendige Bedingung für den schöpferischen Akt bei dem ich dann im besten Falle nicht denke und einfach mache.

Etwas esoterisch kann ich sagen, das Universum spricht durch mich.
Ich kann aber auch einfach sagen, die ganze Denkerei ist das Vorspiel für den schöpferischen Orgasmus! *
Schön Gell….

* und wenn ich beim Tun anfange zu denken, dann wird es leider ein vorgetäuschter, den allerdings, wie im echten Leben, die Wenigsten bemerken.

Gehirn des Monats

Es gab schon öfter Momente in denen mir alles Geschaffene sinnlos und überflüssig vorkam und mir das Bedürfnis das Ganze zu verbrennen und nie wieder irgendetwas Kreatives auszudrücken als einzige Möglichkeit weiter zu existieren richtig erschien.

Die schiere Bedingungslosigkeit dieser Gedanken und das Wissen, dass es fast jedem großen Künstler mindestens ein mal im Leben genau so erging, ließ mir aber aufgrund der erbarmungslosen Logik und der daraus entstehenden selbst erfüllenden Prophezeiung keine andere Wahl als weiter zumachen…

Vorsicht zerbrechlich

Das System ist zerbrechlich wie eine ungebrannte Tonschale.
Das ist Alles um was es die letzten Wochen ging.
Klopapier und Erntehelfer ließen unsere Politiker in Fieberträumen zurück und sie mussten entschieden handeln um die eigene Zukunft zu retten.
Jeder ist sich Selbst der Nächste und da Politiker sich nur äußerlich unterscheiden hatten wir einen ganzen Haufen Nächster und Selbiger.

Aus diesem Grund lief es wie eine gut geölte Maschine. Es waren und sind keine offenen Worte nötig, dieser Haufen wurde zu Einem und konnte bzw. kann nur so wieder glücklich Schlafen. Mission accomplished.
Das ist Alles.
Mehr bleibt nicht, mehr wäre das Suchen nach Intelligenz wo es nur um Instinkt und puren Überlebenswillen geht.
Das ist wirklich Alles.

Darum muss jeder Versuch scheitern das politische Handeln in Bezug auf Covid-19 zu erklären. Es hat schlicht und ergreifend nichts damit zu tun. (seit wann kümmert sich die Politik um unser Wohlergehen und unsere Gesundheit?)
Überall auf der Welt.
Fast könnte man glauben eine Höhere Macht oder ein versteckter, tatsächlich intelligenter, Systemlenker im Hintergrund oder was auch immer hat uns gnädigerweise, kurz bevor schlimmeres passieren konnte, Klopapier eingeflüstert und damit mehr Leben gerettet als eine Krankheit jemals hätte kosten können.

Die Masse konnte mit dem Verlust von Klopapier umgehen, keiner kam auf die Idee seinen Nachbarn zu zerfleischen sondern bat ihn leicht verschämt um eines.
Die Politiker hatten Zeit aufzuwachen und ihre Figuren in Stellung zu bringen. Den Rest bezeichne ich schon jetzt als Geschichte.

Vielleicht sollten wir alle froh sein….

Ficktion

Ich bin ja einer dieser Tausendsassas, die alles hinkriegen und wissen und können, die in diesen Hochglanzfilmen irgendwann zum Helden werden, natürlich zum supersympathischen Helden, der wiederum ganz bescheiden allen Ruhm ablehnt und einfach sein Ding durchziehen will, ein bisschen der dadurch gewonnen finanziellen Unabhängigkeit aber gerne annimmt und damit endlich seine geheimsten Talente ausleben und verfeinern darf.

In der Realität werden diese Menschen jedoch grundsätzlich übersehen, denn sie fallen weder in die eine Richtung noch in die andere irgendwem auf.

Sein oder auch nicht

Seit ungefähr 3 Wochen begleiten mich Kafkas Tagebücher und ich habe mich selten so verstanden gefühlt wie von diesen Aufzeichnungen.
Dieses Buch kam in mein Leben zur richtigen Zeit, denn obwohl ich schon lange Kafka zu meinem absoluten Lieblingschreiber zähle und sämtliche Werke gelesen habe kamen mir noch nie seine Tagebücher in den Sinn.

Dazu passt auch der Weg, der mich zu diesem Buch geführt hat und der die Sinnlosigkeit jeder Planung und Steuerung und die Macht der scheinbaren Zufälle vor Augen führt, welche doch nichts anderes sind als die Hingabe an das Leben.

Vor Weihnachten habe ich mir eine Woche Resturlaub gegönnt und bin direkt am ersten Tag alleine nach Stuttgart um die Second Hand Läden nach Brauchbarem zu durchsuchen.
Zwischendurch bin ich zur Bank um am Automaten ein paar Einnahmen der letzten Veranstaltungen einzuzahlen. Bei der nächsten Bank am Schloßplatz hat mir aber der Einzahlungsautomat einfach keine Option zur Einzahlung angezeigt, ich ging von irgendeinem Defekt aus und habe auf dem Handy einfach eine anderen Filiale gesucht und auch gefunden.
Auf dem Weg zu dieser Filiale kam ich an einem Bücher Antiquariat vorbei an dem ich gefühlt schon hunderte Male vorbei gelaufen bin. Ohne viel Zögern ging ich direkt rein und nach kurzem Umschauen landete ich bei „H“, weil ich mich zur Zeit viel mit Hermann Hesse befasse und fand auch direkt ein kleines Büchlein (dazu später mehr, ist nämlich genauso spannend…)
Da durch das recht überschaubare Angebot „H“ und „K“ eng bei einander waren fiel mein Blick direkt auf die Tagebücher von Franz Kafka. Wenn ich darüber nachdenke fällt mir auf wie wenig ich bei allem gezögert habe, mein Verstand hat sich schlafen gelegt, das dauernde dazwischen Geschreie war weg.
Was das Ganze für mich am Ende so faszinierend macht und mir auch erst nach einiger Zeit bewusst wurde, ist die Tatsache, dass der Automat in der ersten Bank gar nicht kaputt war. Ich habe die Karten verwechselt und statt der EC-Karte die Kreditkarte eingeschoben mit der eine Einzahlung nicht funktioniert. Das war der Grund warum ich diesen Weg ging und seit drei Wochen Kafkas Tagebücher lese.

Warum ich soviel darüber schreibe?
Es sind diese Ereignisse, die mir klar machen wie unüberschaubar die Auswirkungen jeder noch so kleine Handlung sind. Ich verbringe Stunden damit zu Planen zu Analysieren zu hinterfragen, Entscheidungen zu treffen und zu verwerfen um scheinbar Wichtigem die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen…
… und dabei war es vielleicht das völlig banale, unbewusst ausgeführte Nasekratzen von eben, dass mir den Weg bereitet heute Abend ein großartiges Kunstwerk zu schaffen oder auch nicht.